Green IT: In 5 Schritten zu nachhaltiger technischer Infrastruktur

Die Digitalisierung bietet die Chance, ökonomische und gesellschaftliche Prozesse effizienter und nachhaltiger zu gestalten. Gleichzeitig haben digitale Infrastrukturen selbst allerdings auch einen hohen Energiebedarf. Indem Sie Ihre IT-Infrastruktur energieeffizient machen, können Sie bis zu 75 Prozent an Energiekosten sparen und gleichzeitig die Nachhaltigkeit Ihres gesamten Unternehmens stärken. Wir geben Tipps, wie das gelingt.

Jede Suchanfrage, jede Chatnachricht, jede E-Mail, jeder Teams-Call, kurz gesagt, jeder Datenaustausch benötigt Energie. Verbrauchte die Informations- und Telekommunikationstechnik (IKT) im Jahr 2020 noch rund drei Prozent des weltweiten Strombedarfs, sollen es Schätzungen zufolge im Jahr 2030 bereits über 20 Prozent sein. Grund dafür ist insbesondere der steigende Energiebedarf von Daten- und Rechenzentren, der mit der zunehmenden Digitalisierung von Prozessen und dem Einsatz neuer Technologien wie künstlicher Intelligenz, Virtual Reality oder Blockchain zusammenhängt. Daher sind Lösungen gefragt, wie IT-Infrastruktur energieeffizienter gestaltet werden kann. Welche das sein können und wie Sie sich selbst in dieser Hinsicht überwachen und kontrollieren können, erfahren Sie hier.

 

Was bedeutet Green IT für Ihr Unternehmen?

Der Begriff „Green IT“ umfasst zunächst alle Aktivitäten rund um das Bestreben, Produkte und Services der IKT über den gesamten Lebenszyklus hinweg umweltfreundlich und ressourcenschonend zu gestalten. Dabei geht es darum, den Ressourcenverbrauch der Informations- und Kommunikationstechnologien während der Herstellung, dem Betrieb und bei der Entsorgung zu verbessern. Das heißt zum Beispiel, dass die Produkte weniger Strom verbrauchen sollen als ihre herkömmlichen Pendants und umweltfreundliche Rohstoffe nutzen: Die IT soll also im gesamten Produktlebenszyklus möglichst nachhaltig werden. Diesen Ansatz nennt man daher auch „Green in IT“.

Durch Green IT lassen sich demnach wesentliche ökologische, aber auch soziale und wirtschaftliche Vorteile erzielen. Laut der deutschen Energieagentur dena kann eine umfassende Green-IT-Strategie beispielsweise dazu beitragen, die Stromkosten für IKT im Unternehmen um bis zu 75 Prozent zu senken. Gleichzeitig stellt eine grüne Unternehmens-IT ein hohes Qualitätsmerkmal und einen wichtigen Wettbewerbsfaktor dar.

 

Green IT: In 5 Schritten nachhaltiger werden

Maßnahmen zur Umsetzung einer grünen IT-Infrastruktur können sowohl am einzelnen IT-Arbeitsplatz als auch am Rechenzentrum ansetzen. Hierbei kann und sollte es um verschiedene Aspekte gehen. Zu ihnen zählen:

  • Optimierungen beim Energieverbrauch
  • Verlängerung der Lebensdauer von Produkten
  • Maßnahmen, die die Herstellung, sowie den Betrieb und die Entsorgung von Geräten betreffen (Lifecycle-Betrachtung)
  • Analysen hinsichtlich des (typischen) Nutzerverhalten von Mitarbeiter:innen und Kund:innen

Diese Ansatzpunkte sollten sich stets am individuellen Bedarf Ihres Unternehmens orientieren und entfalten erst im Zusammenspiel ihr volles Potenzial. In nur fünf Schritten lässt sich so bereits ein wirksames Bündel an Maßnahmen im Hinblick auf Green IT erzeugen. Die wichtigsten Maßnahmen im Überblick:

 

  1. IT-Ausstattung an tatsächlichem Bedarf ausrichten

Zunächst sollten Unternehmen eine IT-Infrastruktur nutzen, die zu den eigenen Bedürfnissen passt. Dafür ist es erforderlich, die eigenen Anforderungen zu kennen. Es empfiehlt sich daher, regelmäßig Ihre Bedürfnisse und Ihre Ausstattung zu analysieren: Wie viele Arbeitsplätze werden benötigt? Stationäre oder mobile Arbeitsplätze? Klassischer PC, Notebook oder Thin-Client-Lösung? Standardisierte oder leistungsstarke Software? Wie viele Computer, Monitore, Drucker, Scanner braucht das Unternehmen?

 

Sogenannte Mini-PCs oder Thin-Clients, bei denen die Rechenleistung auf einen zentralen Server ausgelagert ist, verbrauchen bis zu 70 Prozent weniger Energie als klassische Desktop-PCs. Dadurch lassen sich Energiekosten bereits massiv senken.

 

  1. Nachhaltigkeit beim Einkauf und im Betrieb berücksichtigen

Bereits bei der Anschaffung neuer Produkte sollten Unternehmen auf die Energieeffizienz der Geräte achten. Bei der Orientierung helfen Energie- und Ökolabel wie das EU-Energielabel, das EU-Umweltzeichen, der Energy Star oder der Blaue Engel. Weitere Faktoren, die beim Einkauf berücksichtigt werden sollten, sind eine ressourcenschonende und sozial verantwortliche Produktion, die Verwendung von Umwelt- und Gesundheitsverträglichen Materialien und die Recyclingfähigkeit der Produkte. Auch bei der Nutzung selbst helfen bereits einfache Maßnahmen dabei, die Umweltbelastung deutlich zu reduzieren.

 

Hier lohnt beispielsweise der Bezug von Ökostrom, also Strom aus erneuerbaren Energien, um Geräte umweltfreundlich zu betreiben. Außerdem sollten eventuell vorhandene, vorkonfigurierte Energiesparmodi an Geräten auch genutzt werden.

 

  1. Die Lebensdauer von Produkten verbessern und alte Geräte richtig entsorgen

Veraltete und defekte Geräte sollten fachgerecht entsorgt werden, damit wertvolle Rohstoffe aus den Produkten recycelt und gefährliche Komponenten sicher entsorgt werden können. Zudem gibt es die Möglichkeit, die Haltbarkeit von Produkten durch sogenanntes „Refurbishing“ zu verbessern. Dabei werden alte Geräte so aufbereitet, dass sie weiterverwendet werden können. Sie werden also quasi generalüberholt und technisch rundum erneuert.

 

Dadurch erhalten Produkte ein zweites Leben und können als Gebrauchtware wieder verkauft werden. Das spart Energie und Ressourcen, die ansonsten bei der Neu-Produktion anfallen würden.

 

  1. IT-Infrastruktur virtualisieren und zentralisieren

Viele Unternehmen haben keine effiziente, aufeinander abgestimmte IT-Architektur. Indem sie IT-Strukturen virtualisieren, also auf virtueller Ebene bereitstellen, können sie Ressourcen besser ausnutzen und ihre IT-Infrastruktur einfacher skalieren. Nutzer:innen können so flexibel auf die Dienste zugreifen. Die Migration der IT-Infrastruktur von unternehmenseigenen zu zertifizierten, externen Rechenzentren in die Cloud ist zudem ein weiterer wichtiger Schritt, der bis zu 65 Prozent an Energie und bis zu 84 Prozent an CO2-Emissionen einsparen kann. Gleichzeitig sollte auch die physikalische Gerätelandschaft im Unternehmen zentralisiert werden.

 

Das heißt konkret, nicht jede:r Mitarbeiter:in braucht einen eigenen Drucker, sondern mehrere Teams können sich Geräte teilen. Hier lohnen sich insbesondere Multifunktionsgeräte, die zum Beispiel sowohl drucken, als auch scannen und faxen sowie Mails verschicken können.

 

  1. Bewusstsein der Mitarbeiter:innen für nachhaltiges Verhalten schaffen

Besonders erfolgsentscheidend für die Umsetzung von Effizienzmaßnahmen sind die Mitarbeiter:innen eines Unternehmens. Die gesamte Belegschaft sollte in die Green-IT-Strategie eingebunden und für ein entsprechend nachhaltiges Verhalten sensibilisiert werden. Dazu gehört zum Beispiel, den Computer nach Feierabend auszuschalten, auf einen Bildschirmschoner zu verzichten oder nur das Nötigste auszudrucken.

 

Führungskräfte oder Nachhaltigkeitsbeauftrage sollten nachhaltige Verhaltensweisen vorleben und anderen Kolleg:innen bei der Umsetzung zur Seite stehen.

 

 

Auf dem Weg zur nachhaltigen IT: So gehen Sie vor

Um die vielfältigen Green-IT-Maßnahmen im Unternehmen erfolgreich umzusetzen, sollten Sie zunächst eine ganzheitliche Strategie und klare Zielvorgaben entwickeln. Voraussetzung hierfür ist, dass Sie als erstes den aktuellen Stand ihrer IT-Infrastruktur analysieren. Denn nur, wenn Sie wissen, welche Hard- und Software Produkte Sie einsetzen und wie diese genutzt werden, können Sie den eigenen Energie- und Ressourcenverbrauch nachvollziehen. Dann erst können Sie entsprechende Maßnahmen ableiten, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verbessern. Laut einer Studie von Capgemini kennt jedoch nur die Hälfte aller Unternehmen den CO2-Fußabdruck ihrer IT und nur jedes fünfte Unternehmen hat eine umfassende Green-IT-Strategie implementiert.

Immer mehr Tech-Konzerne unterstützen Firmen daher dabei, die Umweltauswirkungen ihrer IT-Systeme zu messen und diese zu optimieren – so zum Beispiel Microsoft. Mit der Microsoft Cloud for Sustainability können Unternehmen Emissionen entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette erfassen und analysieren. Die Lösung verarbeitet automatisch Daten aus intelligenten Geräte-Sensoren und vereint sie in einem gemeinsamen Datenformat. Über das Tool können Kund:innen auch abrufen, wie viele Treibhausgas-Emissionen sie mit der Nutzung ihrer Microsoft Cloud Dienste ausstoßen. Diese Informationen sind über das sogenannte Emissions Impact Dahsboard einsehbar.

 

Das Emissions Impact Dashboard: Das kann das Tool

Das Besondere an dem Tool: Es berechnet nicht nur die direkten Emissionen, die aus den Geschäftsaktivitäten resultieren, sondern kalkuliert auch indirekte Emissionen, die bei der Erzeugung von Strom und Wärme sowie entlang der gesamten Wertschöpfungskette entstehen, mit ein. Letztere machen häufig den größten Anteil an Emissionen aus, sind aber generell schwierig zu ermitteln. Microsoft hat hier ein validiertes Verfahren entwickelt, um die Belastung durch Treibhausgase bei der Nutzung von Cloud-Diensten vollkommen transparent zu machen.

Das Dashboard schlüsselt aber nicht nur den CO2-Verbrauch der Cloud-Dienste auf, sondern vergleicht diesen auch mit lokalen Rechenzentren. Sprich, Nutzer:innen sehen, wie hoch die Umweltbelastung wäre, wenn der entsprechende Dienst nicht in der Cloud laufen würde. Gleichzeitig können Unternehmen auch simulieren, wie viel Emissionen sie einsparen, wenn sie bestimmte Anwendungen in die Cloud verschieben. Diese Daten sollen Unternehmen aufzeigen, wie Cloud-Dienste sie bei der Etablierung einer nachhaltigen IT unterstützen können.

 

Go Green: IT als Hebel für Nachhaltigkeit

Tools wie das Microsoft Emissions Impact Dashboard sind praktische Helfer, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu analysieren und Handlungsfelder zu identifizieren. Darin besteht mitunter die größte Herausforderung auf dem Weg zu einer Green-IT. Sind die Daten einmal transparent gemacht, gibt es vielfältige Möglichkeiten, wie sie eine grüne IT-Architektur realisieren können. Diese sind zum Teil recht einfach umzusetzen und bieten gleichzeitig große Einsparpotentiale.

Vodafone hat zum Beispiel im Jahr 2020 durch Energie-Effizienz-Maßnahmen wie Modernisierungen, dem Einbau effizienter Technik und der Abschaltung von Legacy-Systemen, also veralteter Software, mehr als 31 Gigawattstunden (GWh) an Energie einsparen können. Das entspricht in etwa dem Jahresverbrauch von ca. 9.000 Haushalten. Zudem recycelt Vodafone 100 Prozent der Netztechnik-Abfälle und arbeitet nach dem „Refurbish-Prinzip“ alte Geräte für ein zweites Leben wieder auf: Im Jahr 2020 waren das zum Beispiel über 1,1 Millionen Easyboxen und Giga TV Set–top-Boxen.

Die IT-Infrastruktur ist insofern ein wichtiger Hebel für Großkonzerne als auch für kleine und mittelständische Unternehmen, um Nachhaltigkeit in sozialer, ökologischer und ökonomischer Hinsicht zu realisieren und so zur Einhaltung der Klimaziele beizutragen.

Quelle:

https://www.vodafone.de/business/featured/digitaler-ausblick/green-it-in-5-schritten-zu-nachhaltiger-technischer-infrastruktur/